Lesestart: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

Für die Entwicklung zum Leser/zur Leserin werden schon früh in der Familie die wichtigsten Voraussetzungen geschaffen. Lesen beginnt weit vor Schulbeginn – nämlich genau dann, wenn das Kind mit Sprache in Berührung kommt, wenn Erwachsene ihm/ihr ein Lied vorsingen, reimen, sie gemeinsam Bilderbücher betrachten oder eine Geschichte vorlesen. Am Klang der Wörter, an ihren Bedeutungen, am Inhalt von Geschichten und Bildern erwirbt das Kind allmählich eine Beziehung zum Lesen.

Nun lernt das Kind lesen, erkennt im Gewirr der Schleifen und Haken plötzlich Buchstaben und Silben. Erinnern Sie sich daran, wie Sie Fahrrad fahren gelernt haben? Der Vergleich beschreibt treffend die Situation der Kinder beim Lesen lernen: Zuerst ist es mühsam und wackelig; immer wieder erlebt man Misserfolge und Stürze, bis sich erste kleine Erfolge einstellen. Mit zunehmender Übung wird man schneller und sicherer – und irgendwann geht es wie von selbst. Dann macht es Freude. Lassen Sie dem Kind diese Erfahrungen auch beim Lesen lernen! Geben Sie ihm Zeit, begleiten Sie es behutsam und geduldig.

Ob Mütter oder Väter, Omas oder Opas – sie alle haben die Chance, den Kindern nicht nur die Wörter und ihre Zusammenhänge beizubringen, nicht nur Geschichten kennen zu lernen, sondern auch ihr Denken herauszufordern, ihnen Sprache und neue Erfahrungen zu  schenken.

Wächst ein Kind mit Büchern auf, kann es erleben, wie Eltern lesen und schreiben, eine Zeitung abonniert haben, miteinander reden, Bücher in den Regalen stehen – dann ensteht Neugierde und das Verlangen, an diesen Dingen teilzuhaben. Die Familie schafft die Basis, damit Freude an Lesekultur entstehen kann. Beginnt die Schule, geht oft die Leichtigkeit, die Heiterkeit im Umgang mit Sprache verloren, das Kind muss Schriftzeichen lesen, lernen, plötzlich wird in Richtig und Falsch eingeteilt.

Mühsam werden kleine Texte buchstabiert – holpriges Lesen, lange Übungsphasen am Nachmittag oder Ungeduld zerstören oft die Freude an der Sprache und am Lesen. Wieder sind Sie gefordert, wie Sie damit umgehen – als geduldige, wertschätzende BegleiterInnen dieses faszinierenden Prozesses des Lesenlernens, als ZuhörerIn, ErzählerIn, VorleserIn, der/die für die Kinder Leseräume, Rituale, Vertrauen und Nähe schafft: Eine kuschelige Sofaecke vor dem Einschlafen, eine gemütliche Parkbank, ... Im Geschäft beim Einkaufen lesen wir Bezeichnungen und Preise, beim Kochen Rezepte, eine Spieleanleitung ... Eröffnen Sie dem Kind die „Lesewelt“! Sie schaffen Begegnungen mit Texten und Büchern bei regelmäßigen Besuchen in der Bibliothek, in einer Buchhandlung; Sie lesen mit, reden über Gelesenes – und das heißt auch Anteil nehmen und den Kindern etwas zutrauen. Dazu sind Ruhe und Zeit notwendig. Nehmen Sie sich die Zeit!

 

 

Leselust fördern - Praktische Tipps zur Lesemotivation

  • Freizeitlesen fördern
  • Kinder bestärken, Themen zu wählen, die ihnen selbst wichtig sind
  • Andere Kinder/Geschwister nicht als Vorbilder hinstellen
  • Buchgeschenke mit FreundInnen/Verwandten absprechen
  • Alltagslesen (Symbolsprache z.B. von Verkehrsschildern)
  • Vorlesen und Erzählen auch im Erstlesealter beibehalten
  • Beim Vorlesen an spannenden Stellen aufhören motiviert das Kind, selbst weiter zu lesen
  • Das Kind beim selben Buch verweilen lassen
  • Bei Nicht-LeserInnen: Bücher mit Figuren wählen, die dem Kind ähneln; interaktive CD-ROMs zur Verfügung stellen; Kinderzeitschriften und -magazine anbieten
  • Teilhaben lassen am eigenen Lesen
  • Singen, Verse, Reime, Spielen = kreatives Umsetzen von Büchern
  • Lese-Tagebuch/Lese-Logbuch führen
  • Erstleseliteratur bewusst und kritisch nutzen
  • Interessen beachten, gemeinsam mit dem Kind Bücher auswählen,
  • Bücher wählen, die Comic-Elemente enthalten
  • Für Leseerfolg loben und bestärken, Anerkennung zeigen
  • Vorbild sein
  • Ruhezonen schaffen, die zum (Vor-)Lesen genutzt werden
  • Beim Vorlesen Pausen machen, damit das Kind Fragen stellen kann
  • Sich vom Kind vorlesen lassen/abwechselnd lesen
  • Niemals zum Lesen zwingen

 

 

Leseschule - Übung macht den Meister!

Lesen lernen beginnt früh und dauert lange. Zu den ersten Phasen zählt das Nachahmen. Manche Kinder können die Geschichten ihres Lieblingsbuches fast auswendig nacherzählen oder Verse zu Bildern nahezu wortgetreu wiedergeben. Im Kindergartenalter können sie oft schon einzelne Buchstaben und sogar Wörter wie den eigenen Namen erkennen. In der Schule lernt das Kind nun nach unterschiedlichen Methoden die Zuordnung von Laut und Buchstaben, das Erkennen ganzer Wörter; es kann bald Buchstaben, Worte, Sätze und Texte lesen und bald auch den Sinn des Gelesenen erfassen.

Halten Sie Kontakt zu den Lehrpersonen, lassen Sie sich Übungsmöglichkeiten zeigen und üben Sie täglich einige Minuten. Zu lange Übungsphasen sind eher kontraproduktiv und fördern die Lesefreude kaum. Lesen lernen ist oft harte Arbeit und erfordert Geduld und Ausdauer. Lesen üben sollte niemals als Drohung oder lästige Pflicht erlebt werden. Sparen Sie deswegen keinesfalls mit Aufmunterung und Lob!

Im Alltag ist es für Kinder eine große Herausforderung, Lesequellen zu entdecken. Plakate, Schilder, Aufschriften finden sich in reichem Maße im Umfeld des Kindes. Nützen Sie immer wieder diesen Leseanreiz. Gemeinsame Buchstabenspiele, Reime, Rätsel und Sprachspielereien fördern die Lesefertigkeit.

Jedes Kind hat beim Lesenlernen sein eigenes Tempo, geben Sie ihm genug Zeit. Eines ist sicher: Lesen lernt man nur durch Lesen!

 

 

Leseräume

Bücher sind ein Kulturgut und Lesekultur braucht viele Anregungen, wenn sich die Kreativität der Kinder entwickeln soll.

Sie schaffen „Leseräume“ im Zuhause des Kindes: auf Ihrem Schoß, im Bett, in einer Kuschelecke… Zeigen Sie dem Kind die Bücherwelt in Ihrer Umgebung, gehen Sie gemeinsam in die Bibliothek und lassen Sie das Kind in Ruhe stöbern und schmökern. Auch in Buchhandlungen findet man meist gemütliche Kinderecken und fachkundige Beratung; Buchversandkataloge und Prospekte können eine zusätzliche Fundgrube für die Buchauswahl sein.

Nicht nur Spielsachen und Kuscheltiere, sondern auch der eigene Bücherschatz ist für Kinder ein wichtiger Besitz. Oft wollen sie immer wieder die gleichen Bücher lesen und betrachten. Der eigene Bücherschatz fördert das Leseinteresse und entwickelt die Lesekultur – besuchen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind auch das vielfältige Angebot an Leseveranstaltungen: Buchvorstellungen, Workshops, Theater, Leserallyes, ... AutorInnenlesungen erschließen den Kindern die Welt des Bücherschreibens und machen bewusst, dass hinter jedem Buch Menschen stehen, die Geschichten erzählen und Bilder gestalten.

Gerade in der Erstlesephase braucht es neben der Bilderbuchsammlung auch leicht lesbare Bücher – die meisten großen Verlage führen spezielle Erstlesereihen.

 

Was zeichnet ein gutes Erstlesebuch aus?

  • Lesenswerte Geschichte(n)
  • Themen aus der Erlebniswelt des Kindes
  • Kindgemäßer Wortschatz
  • Illustrationen unterstützen das Entschlüsseln der Texte
  • Große Schrift
  • Großer Zeilenabstand
  • Kurze Sätze, einfacher Satzbau
  • Großzügiger Abstand zwischen den einzelnen Buchstaben und den einzelnen Wörtern

 

Kinder mögen Comics

  • Wichtig ist, dass Comics Erstlesebücher nicht ersetzen, weil
  • sie eher zum „Bilderschauen“ verleiten und keine „echten
  • Leseerlebnisse“ vermitteln. Comics, die auch für LeseanfängerInnen
  • geeignet sind, sollten einige Kriterien erfüllen
  • Text in Druckschrift
  • 2 bis 6 Bilder pro Seite
  • Anordnung der Bilder in Leserichtung
  • Klare Unterscheidung der Sprech- und Denkblasen und der Kommentarzeilen
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